Thema: Lieben und Geliebtwerden, Selbstliebe,
Annahme seiner selbst..
Impuls auf Holz:
Mit ewiger Liebe habe ich Dich geliebt (Jer31,3 )

Biblischer Text:
„Der Herr sagt: ‘Ich habe Erbarmen mit meinem Volk! In der Wüste sammle ich
alle, die dem Schwert entronnen sind. Israel kehrt wieder in sein Land zurück,
dort wird es Ruhe finden!’ Von ferne erschien der Herr und spricht: ‘Mit ewiger
Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir Gnade bewahrt. Israel, meine
Geliebte! Ich gebe dir einen neuen Anfang, deine Städte baue ich wieder auf.
Lege die Trauer ab, nimm wieder deine Tamburine und tanze im Festreigen mit!
Pflanzt Reben auf den Bergen Samarias! Fürchtet nicht, dass Fremde die
Früchte genießen! Der Tag ist nicht fern, da wird man auf den Bergen Efraims
rufen: Zieht hin-auf zum Berg Zion, zu dem Herrn, eurem Gott’.“
Impuls 1:
„Mit ewiger Liebe geliebt!“ Ewige Liebe- was ist das? Wenn ich an Liebe und
Geliebt-werden denke, fällt mir zunächst ein, dass sich die meisten Menschen
nicht wirklich lieben und mögen- sie empfinden sich nicht schön, nicht
begehrenswert, nicht intelligent. Nicht gut genug. Vielen christlich sozialisierten
Menschen wurde zwar die Pflicht zur Nächstenliebe eingetrichtert, aber die
Selbstliebe galt lange Zeit als verpönt und wurde mit einem schädlichen
Egoismus gleichgesetzt. Das christliche Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich
selbst“ bedeutet aber doch, dass ich ohne Selbstliebe den anderen auch nicht
lieben kann, beziehungsweise, dass eine gesunde Liebe die Voraussetzung
dafür ist, auch andere Menschen zu mögen. Solange man sich selbst ablehnt
oder sich und seinen Körper hasst, kann man die Liebe eines anderen
Menschen weder sehen, spüren (manche Menschen spüren sich
nicht mehr, weil sie zuviel arbeiten) noch zulassen. Und ohne Selbstliebe kann
ich auch andere Menschen nicht lieben.
Machen Sie den Selbsttest: MöchtenSie von Menschen so geliebt werden wie jene sich selbst lieben? Von den meisten wahrscheinlich eher nicht. Selbstliebe hat nichts damit zu tun, ein
Recht auf alles zu haben und sich alles zu gönnen, worauf man gerade Lust und
„Bock“ hat. Eine gute Selbstliebe hat wohl eher damit zu tun, sich selbst mit
seiner ganzen Lebensgeschichte, mit all dem Versagen, Schwächen und
Schattenseiten anzunehmen aus dem Bewusstsein heraus, als fehlerhaftes
Geschöpf von einer größeren Macht geliebt zu sein. Der Glaube an einen Gott,
der uns die Zusage einer ewigen und wohl auch bedingungslosen Liebe
gegeben hat, kann uns helfen, uns selbst anzunehmen, zu spüren und zu
mögen. Ein göttliche Macht, die zu mir sagt: Du bist der geliebte Mensch, und
zwar von Anfang an, und vom Ursprung her, also noch vor unserer Geburt und
der Liebe unserer Eltern. Das hilft uns, damit wir unser existentielle Lebensangst
und Scham verlieren, und unsere Eintrittskarte oder den Fahrschein fürs Leben
nicht erst mühsam verdienen müssen. In der Weise, in der mein Glaube an das
Gratis und das Geschenk meines Lebens wächst, wächst auch das Gefühl und
das Bewusstsein, dass ich bei mir selbst ankomme und Heimat finde, und dies
unabhängig von äußerer Bestätigung. Wenn ich mich selbst geliebt weiß, kann
ich auch meine eigenen Schwächen und Dunkelheiten vor mir zugeben ohne ins
Bodenlose zu fallen und eine Bereitschaft entwickeln, mich erlösen und mir
vergeben zu lassen. Papst Franziskus betonte immer wieder, dass uns alles
vergeben werden kann und Vergebung zum Wesen Gottes gehört. Uns ist
immer wieder ein neuer Anfang möglich und geschenkt.
Die Fähigkeit zur Selbstliebe und zum Glauben, dass mich Gott bedingungslos
liebt und annimmt, können kleine Rituale stärken.
Praktischer Tipp:
Nimm Dir bei der Morgentoilette ein paar Minuten Zeit, Dich selbst mit
wohlwollenden Augen anzuschauen. Es sind die wohlwollenden Augen Gottes,
die Augen , von denen es über Benedikt von Nursia heisst, dass er unter diesen
Augen ganz bei sich selbst zu Hause war.
Oder:
Nimm einen kleinen Zettel und schreibe darauf: „Hier siehst du den Menschen,
den Gott liebhat.“ Nimm diesen Zettel und klebe ihn an den Spiegel im
Badezimmer und stärke deinen Glauben, dass du mit ewiger Liebe geliebt bist.
(Text: Gustav Schädlich-Buter, inspiriert von Düring)
Impuls 2:
„Angenommen“
Immer wieder bewegen mich Lieder und bringen mich sowohl persönlich wie
auch in meinem Beruf als Seelsorger zum Nachdenken. Eines davon hat den
Titel „Zum Meer“, und ist von Herbert Grönemeyer auf der CD Mensch
veröffentlicht worden.
Darin heißt es: „Wer hat dich geplant, gewollt? Dich
bestellt und abgeholt?/Wer hat sein Herz an dich verlorn? Warum bist du geborn?/Wer hat dich geborn?/ Wer hat sich nach dir gesehnt?/Wer dich an sich gelehnt?/Dich wie du bist akzeptiert,/ dass du dein Heimweh verlierst?…“ (Herbert Grönemeyer)
Wer hat mich gewollt? Wer hat mich akzeptiert wie ich bin? Fühle ich mich auf dieser Erde zu Hause? Fühle ich mich willkommen? Wer hat mich in Empfang genommen, mich willkommen geheißen und mir mein Heimweh genommen?
Diese Fragen gehen nahe, stimmen nachdenklich, klingen nach…. Wer hat mich akzeptiert so wie ich bin? Unglaublich viele Menschen fühlen sich nicht wirklich akzeptiert und geliebt. Manche fühlen sich aufgrund ihrer Andersheit, ihres Aussehens, ihrer Behinderung, ihrer körperlichen oder seelischen Einschränkung,ihrer sexuellen Orientierung,... abgelehnt, ohne Ansehen und schämen sich, dass sie so sind wie sie sind. Wieder andere Menschen fühlen sich nicht willkommen, gerade, wenn sie aus Ländern fliehen mussten, in denen bittere Armut, unbarmherzige Ausbeutung, Gewalt und Kriege an der Tagesordnung waren. Es macht bedrückt und traurig, wenn man sich auf dieser Erde nicht willkommen weiß. Wer von einer Gesellschaft oder Gemeinschaft abgelehnt wird, den macht die beängstigende Erfahrung des Ausgeschlossenseins nicht selten aggressiv oder hart. Wieder andere überspielen die Wunde der inneren Heimatlosigkeit mit Geschäftigkeit und Hyperaktivität. Sie wollen über ihre Leistung anerkannt werden. Wer sich nicht willkommen und geliebt fühlt, bleibt irgendwie unbehaust und fremd: „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“, heißt es im Liederzyklus von Schuberts Winterreise.
Geliebt vom ersten Atemzug an und schon vorher, geliebt „ohne wenn und
aber“, ohne Bedingung und Leistungsnachweis,- das ist keine
Selbstverständlichkeit. Der Glaube an ein großes Ja einer verschwenderischen
Liebe, das über unser Leben gesprochen sein soll, scheint für viele Menschen
nicht spürbar und verdunkelt. „Warum bin ich überhaupt geboren?“, ist dann
die dazugehörige Frage, wenn das „Ja“ sich in ein „Nein“ verwandelt hat; wenn
ein Panzer der Selbstablehnung und Feindschaft sich selbst und anderen
gegenüber das Grundgefühl bestimmt.
Gut, wenn es dann wenigstens noch das Heimweh gibt, die Spur einer
Erinnerung an einen „Ort“, an eine Gemeinschaft, an eine Liebe, die mich
ankommen lässt, die mich leben lässt, die mich aufatmen lässt, in der ich
willkommen bin. Wer willkommen geheißen wird, dem wandelt sich Fremdheit
in Vertrautheit und er fängt an, sein Heimweh zu verlieren. Sobald wir
Menschen einander willkommen heißen ohne Bedingungen oder die Erfüllung
von Aufnahmekriterien für die jeweilige Gruppe, der wir zugehören, entsteht
eine Verbindung und wir spüren, dass wir zusammengehören. Jede und jeder
von uns, trägt in sich eine Begabung, dem Anderen dieses Willkommens-Ja zu
zusprechen. Wie gut kann ein einladendes Wort tun, ein Lachen, ein
wertschätzender Blick, eine Geste der Zuneigung- sie alle sagen: Gut, dass es
dich gibt – willkommen Bruder oder Schwester auf dieser Erde und auf dieser
unserer gemeinsamen Lebensreise zum „Meer“ oder zum „Himmel“.
Text aus: Gustav Schädlich-Buter, „Geerdet zum Himmel schauen“,
Reflexionen-Meditationen-spirituelle Impulse, eine Textsammlung,
Fromm Verlag 2019
Impuls:
Hören Sie das Lied „Zum Meer“ von Herbert Grönemeyer auf der CD „Mensch,
und denken Sie über die darin gestellten Fragen nach. Wem möchten Sie
dankbar sein?