Impuls 3: Stele „Hope“- Hoffnung

Biblischer Kontext:
„Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.“ (Röm 8,24)
Impuls:
„…Wer könnte atmen/ ohne Hoffnung/dass auch in Zukunft/Rosen sich öffnen..//heißt es in einem Gedicht von jüdischen Lyrikerin Rose Ausländer (1901-1988), welche den Todestransporte der deutschen Wehrmacht nur knapp entkam. Nur die Hoffnung lässt Rose Ausländer leben und überleben, gibt ihr die Kraft am Leben nicht zu verzweifeln. Hoffnung gehört zu den Lebensgrundlagen des Menschseins wie die Atemluft. „Wer könnte atmen/ohne Hoffnung“, sagt die Dichterin und „Wer hofft, ist jung.“ Wer hofft, ist auf eine Zukunft ausgerichtet. Hoffnung ist eine gespannte Erwartung auf die Zukunft. Kinder und junge Menschen stecken noch voller Hoffnungen und Erwartungen ans Leben; sie erwarten gespannt auf das, was kommt.
Die Kraft der Hoffnung und damit die Lust am Leben wächst, wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen: die Rosen im Garten vielleicht, die zwitschernden Amseln am frühen Morgen, der freundlicher Gruß der Kollegin und vieles andere, was das Herz berührt, weckt die Hoffnung, dass das Leben doch gut ist. So können alle durch unser Verhalten, durch unsere Freundlichkeit an der Hoffnung dieser Welt mitwirken.
„Hoffen lernt man dadurch, dass man handelt, als sei Rettung möglich“, sagt Fulbert Steffensky, und dieses Handeln hängt nicht vom Erfolg der Handlung ab, sondern kann in sich gerechtfertigt sein. Wer sich für eine gerechtere und friedlichere Welt einsetzen will, braucht den langen Atem der Hoffnung. Wer Kinder großziehen will, braucht die Kraft der Hoffnung, dass deren Leben gelingt, auch wenn sie ganz andere Wege gehen.
Wir brauchen einander im Hoffen, gemeinschaftliches Hoffen trägt uns über die Abgründe des Lebens und hilft uns Träume zu realisieren, wenn die eigene Hoffnungskraft sich als zu schwach und brüchig erweist. Allein im Licht der Hoffnung, die immer auch ein Geschenk ist, können wir in dieser Welt, im Leiden und Scheitern, im trübseligen Strom menschlicher Schwächen und Bosheiten, immer noch an Zukunft und Erneuerung glauben.
Die christliche Hoffnung ist zudem eine maßlose Hoffnung, auf eine neue Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt und einen neuen Himmel, Hoffnung auf ein ewiges Leben und die Auferstehung von den Toten, die dem Tod nicht das letzte Wort geben will.
(Text: Gustav Schädlich-Buter)
Zur Meditation:
Hoffnung, dass die Risse des Lebens heilen
Die Bruchstellen des Lebens, -Verlust, Scheitern, Versagen, Schuld…, können zu
Öffnungen werden für neues Leben. Doch zuvor muss der Schmerz und die
Trauer in der Tiefe der Seele, erlauscht werden unter den Betonschichten der
Verdrängung, muss Leidvolles ausgehalten werden, dann kann eine Tür
aufgehen und die Seele zum Begegnungsort für eine tiefere Wirklichkeit
werden; letztlich für Gott als die Quelle unbedingter, unzerstörbarer und
heilender Liebe, aus der wir und durch die wir sind und in der wir leben.
Es kann lebensrettend sein, wenn der heilende Geist durch die Risse unseres
Lebens dringt und wieder Licht in der Dunkelheit der Seele aufscheint.
Zum Nachdenken:
Worauf hoffe ich und was tue ich dafür?
Wer oder was gibt mir Hoffnung?
Mit wem teile ich meine Hoffnung?
Literatur zu Vertiefung: Wolfers, Zuversicht, die Kraft, die an das Morgen
glaubt.