
Der Hauptmann von Kafarnaum
5 Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn:
6 Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen.
7 Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn heilen.[1]
8 Und der Hauptmann antwortete: Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst; aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund!
9 Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.
10 Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, ich sage euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden.
Matthäus 5, 5-10
Text zum Nachdenken:
Worte
Die Macht der Worte, wer kennt sie nicht! Wir kennen wohl alle die Erfahrung, dass wir keine Antwort bekommen, das unsere Einladungen zu einem Fest nicht beantwortet werden, dass in Partnerschaften oder Nachbarschaften sich stummes feindseliges Schweigen breit gemacht hat und niemand mehr den Mund auftut und ein erlösendes Wort spricht, das die entstandenen Mauern abbaut. Auch ein unachtsam schnell dahingesagtes Wort kann kränken und demütigen. Gezielt böse Worte aber können entwürdigen, verleumden, verletzen, sogar ein Leben zerstören. Mit Worten können Menschen niedergebrüllt und gebeugt werden. Worte können Menschen taub werden lassen und deren Gehör verschließen. Mit Worten, die gar keine Antwort wollen, kann man Menschen „zutexten“, manipulieren oder verstricken. Schon in der Bibel heißt es: Böse Worte sind „faulig“ und bewirken Fäulnis. Wer ständig bösen und erniedrigenden Worten ausgeliefert ist wird böse wie ein Hund an der Kette.
Das gute Wort jedoch kann aufbauen, Leben wecken, aufrichten, heilen, lebendig machen, befreien oder hoffnungsvoll und fröhlich stimmen. Gute Worte entspringen einem Interesse und einer Liebe zum Menschen und zur Schöpfung. Durch ein gutes Wort fühlt sich der, der das Wort hört, gut; ein gutes Wort löst aus der negativen Fixierung, das gute Wort kann sogar den „Bösen“ gutmachen. Das gute Wort kann zärtlich und rücksichtsvoll an mein Ohr dringen, aber auch bestimmt und auffordernd. Wenn ich jemanden ein gutes Wort sage, indem ich ihn lobe, ihm danke, ihn bejahe, wertschätze, annehme…, erweise ich ihm eine Wohltat und stärke seine Person.
Worte können wie ein Haus sein, in denen wir uns ausruhen und Frieden finden, weil unsere Sehnsucht nach Liebe für einen Moment ans Ziel kommt.
Worte in Geschichten und Gedichten können kleine und große „Menschenkinder“ zum Strahlen bringen. Im Liebesgedicht von Gabriele Mistral, das den Titel „Scham“ trägt, heißt es in einem Vers: „Umhüll mich zärtlich durch dein Wort. Schon morgen wird, wenn sie zum Fluß hinuntersteigt, die du geküsst, von Schönheit strahlen.“ (G. Mistral, Wenn du mich anblickst, werd ich schön. Gedichte, 1991, gefunden in: F. Steffensky, Der alltägliche Charme des Glaubens, Würzburg 2002)
Sprich nur ein Wort, dass wieder Leben möglich wird. Sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund. Wie oft beten wir das im Gottesdienst oft ohne darüber nachzudenken und es mit echter Sehnsucht zu füllen, dass Gott uns ein Wort schenkt, dass uns heilt, uns von Scham befreit und lebendigmacht.
zum Nachdenken:
•Kennst du ein biblisches Wort, das Dir guttut, Dich bestärkt und aufbaut?
•Gab es in deinem Leben mal ein Wort, das Dich berührt oder getroffen hat?
•Wessen Worte vertraust du? Wem glaubst du, was er sagt?