Aufbrechen

Biblischer Text: (mehrere zur Auswahl):

Abrams Berufung und Zug nach Kanaan

Genesis 12, 1-4

Die Bekehrung des Saulus 

Apostelgeschichte  9, 1-9

Impuls zum Nachdenken:

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will…Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm.

Genesis 12, 1-4 In der Bibel finden wir viele Aufbruchsgeschichten, die uns anspornen können, einen Aufbruch zu wagen. Dazu einige biblische Beispiele:

Abraham bricht auf, verlässt die Heimat und zieht  in ein neues und unbekanntes  Land , er traut einer göttlichen Verheißung ohne dabei eine letzte Sicherheit oder Gewissheit zu haben. Mose bricht auf aus seinem gewohnten Hirtenleben, gehorcht einem Auftrag und einer Sendung von Gott trotz Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, um sein Volk aus der Fremde und Versklavung  in die Freiheit zu führen. Die Israeliten brechen auf, verlassen die Sicherheit der Fleischtöpfe  und lassen sich mit Mose auf ein Wüstenabenteuer ein, um frei zu werden. Paulus erlebt einen geistig-spirituellen Aufbruch aus seinem bisherigen Leben, nach seinem Damaskuserlebnis muss er erstmal begreifen, was ihm da widerfahren ist, wie sie sein bisheriges Leben total auf den Kopf gestellt wurde und was jetzt für ihn ansteht und wie er sich neu orientieren kann. Aufbrechen muss auch der junge Mann in einem Gleichnis Jesu, der sein ganzes Erbe verschleudert hat und ganz unten angekommen ist bis er zur Einsicht kommt, zu seinem Vater zurückzukehren (wie es im Gleichnis bei Lukas 15  steht.)

Wir alle müssen immer wieder aufbrechen, allein schon durch die natürlichen Lebensphasen, die wir durchlaufen und die mit einem Neuaufbruch einhergehen, Pubertät, Familiengründung oder der Eintritt ins Rentenalter zum Beispiel. Aufbrechen müssen manche auch aus toxischen und krankmachenden Beziehungen, junge Erwachsene müssen manchmal auf -und ausbrechen  aus den Trübungen ihrer Familiensysteme. Andere aus Suchtmustern wie Drogen, Alkohol oder Handysucht, die sie festhalten, abhängig und unfrei machen. Manchmal schleudert uns das Leben aus den geglaubten Sicherheiten hinaus- Krankheit, Unfall, Trennung, Verlust, Entlassung, Schicksalsschlag und wir müssen uns einen Weg bahnen auf noch unbekanntem Terrain. Manche erleben auch geistige Aufbrüche, durch welche ihre bisherigen Lebenseinstellungen verwandelt werden, was ein Leben im alten Umfeld unmöglich macht. Der letzte Aufbruch geschieht am Ende unseres Lebens, wenn wir alles lassen müssen.

 Alle existentiellen Aufbrüche haben etwas mit Wagnis zu tun, mit dem sich Einlassen auf ein unbekanntes Terrain, aber auch mit dem Vertrauen, dass das Leben uns zu etwas Neuem locken will.

Es besteht aber auch die Gefahr, dass wir den Aufbruch vermeiden oder verpassen, unser Leben verhocken aus Bequemlichkeit oder Angst, oder aus einem Sicherheitsdenken heraus nichts wagen und nichts ausprobieren, und unsere Talente vergraben? Das Ziel biblischer Aufbrüche besteht immer darin, ein neues und lebendigeres und befreiteres Leben zu finden, womit wir auch für andere ein Segen werden können.

Stele(4): Mut einblenden

Damit sind wir auch schon beim Thema Mut, das ich nur kurz ansprechen will. Jeder Aufbruch braucht wohl einen mutigen Schritt nach vorne. Mut ist für mich nicht Waghalsigkeit, Draufgängertum oder Tollkühnheit, die nicht selten mit Selbstüberschätzung, Leichtsinn und Imponiergehabe einhergehen.

Mutige Menschen sind für mich jene, die ihre Angst wahrnehmen, überwinden und Neues wagen, die aus der Menge heraustreten und ungerechte und unmenschliche Strukturen publik machen, die festgefahrene Traditionen aufbrechen.

Nicht selten riskieren sie dabei sehr viel: ihre Gesundheit, ihr Leben, ihren Ruf, ihr Auskommen;

Die Stele „Sei mutig“ stellt uns die Frage: was bedeutet Mut für unseren Alltag?

Ich möchte ein paar Beispiele geben, die anregen können über den eigenen Lebensmut nachzudenken.

Es braucht Mut, einem anderen Menschen ganz und gar zu vertrauen.

Mutig ist der, der zu seiner Überzeugung steht, obwohl alle gegen ihn sind und er Nachteile in Kauf nehmen muss.

Mut ist nötig, sich für „Außenseiter“ einzusetzen und deren Würde zu verteidigen. 

Mut bedeutet, mit einem Kollegen/-in oder Partner/-in darüber zu sprechen, was mich an dessen Verhalten oder Reden verletzt und gekränkt hat.

Mutig muss man sein, einen Menschen anzurufen oder zu besuchen, der schwer erkrankt ist und es braucht Mut, sich einem anderen in seiner Schwäche zu zeigen.

Es braucht Mut mit einer Behinderung zu leben und sich eine größtmögliche Autonomie zu erkämpfen.

Mutig muss ich sein, wenn ich die Trauer oder die dunklen Seiten wahrnehmen und fühlen will)

zum Nachdenken:

Was oder wen muss ich verlassen oder aufgeben, damit sich Neues in meinem Leben ereignen kann?

Was macht es womöglich schwer, dass ich aufbreche?

Was oder wer macht mir Mut dazu?

Wozu und wohin breche ich auf?

Geht es um einen äußeren oder inneren Aufbruch oder um beides gleichzeitig?

Wann war ich einmal richtig mutig?