Neu anfangen

Vor einigen Tagen hat das neue Jahr begonnen, womöglich auch für Sie ein Ansporn einiges neu anzufangen und anzupacken.

Viele Neuanfänge in unserem Leben sind mit Erwartungen und Verheißungen, mit einem Hauch von Neugeburt verknüpft: eine neue berufliche Stelle, eine eigene Wohnung , eine neue Wohngruppe, eine neue Schule, frisch verliebt, Hochzeit, die Geburt eines Kindes. Viele junge Paare, die ihr erstes Kind freudig erwarten, spüren besonders deutlich: mit dem neuen Leben wird auch unsere Beziehung, unsere Seele, unser eigenes „Innen-sein“ noch einmal neu beginnen und sich erneuern, gerade so als würde mit jedem(!) Kind die Welt noch einmal von vorne beginnen wollen..

Neu anfangen können wir auch nach überstandener Krankheit oder nach einer Phase, wo wir meinten, dass nichts mehr stimmt und geht. Auch diejenigen unter uns, die ein Unfall oder ein Schlaganfall aus dem bisherigen Leben gerissen hat, müssen gänzlich neu anfangen, neu mit sich selbst und ihrem Leben vertraut werden, es annehmen wie es jetzt entgegenkommt.

Neu anfangen können bedeutet aber auch: Ich bin nicht auf die Vergangenheit und das Bisherige meines Lebens festgelegt. Ich habe die Chance auf eine noch nicht dagewesene Zukunft. Ich spüre frischen Wind im grauen Einerlei meines Alltagstrottes und meiner Gewohnheiten. Zuweilen ist es für einen Neuanfang notwendig, Altlasten abzulegen, Illusionen los zu lassen, Beziehungen zu klären.  

Dynamis -Acryl auf Leinwand

Neuanfangen kann ich auch in den Beziehungen, wenn ich merke, das dieser oder jener Mensch, mein Partner, meine Partnerin im Laufe der Jahre ganz anders geworden ist und das Gewohnte gesprengt hat. Dies verlangt den Anderen in seinem Anderssein zu akzeptieren und anzunehmen. „Du sollst Dir kein Bildnis machen“, heißt die biblische Weisung.

Und auch mit mir selbst, dem sich das Leben immer wieder anders zumutet, muss ich ja immer wieder neu anfangen. Dies gilt auch für meinen Glauben und meine Überzeugungen, weil sich zum Beispiel alte Gottesbilder aufgelöst haben und nicht mehr tragen. Und womöglich ist es der wahre Gott in seinem Anderssein, der mich als Pilger oder Nomade auf einen ungesicherten Weg schickt, mich immer wieder neu anfrägt und aufbricht.

Impuls:

Zu jedem Neuanfang, der mehr ist als eine kleine äußerliche Veränderung des Bisherigen, muss ich hinausschauen über meinen begrenzten Alltagshorizont, der mir vielleicht wenig Spielräume lässt. Ich könnte ja- ähnlich den Sterndeutern in der Bibel- in einer sternenklaren Nacht zum Himmel schauen, meinen Blick weiten in die unvorstellbaren Räume unseres Kosmos, in die unendlichen Dimensionen der Galaxien, und dies auf mich wirken lassen. Womöglich beginne ich nach letzten Zusammenhängen zu fragen, die meinem Leben Halt, Sinn und Hoffnung geben. Es stellt sich dabei vielleicht die Frage, ob ich mein Leben in einem größeren Sinnkontext verstehe (also ob ich von einer größeren Macht gewollt und bejaht bin) oder ob ich nur ein Zufallsprodukt in einem wie auch immer gearteten kosmischen Prozess bin. 

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